Alpine Sicherheitsgespräche 2026 an der TUM
Risikobewusstsein am Berg – Sicherheitswissen für verantwortungsvolle Entscheidungen
Am 7. Oktober 2026 fanden die diesjährigen Alpinen Sicherheitsgespräche des Bayerischen Kuratoriums für Alpine Sicherheit am Olympiacampus der Technischen Universität München (TUM), Am Olympiacampus 11, statt. Bereits zum zweiten Mal durfte das Bayerische Kuratorium für Alpine Sicherheit zu Gast an der Technischen Universität München sein.
Unter dem Leitgedanken „Risikobewusstsein am Berg“ widmete sich die Veranstaltung der Frage, wie Menschen Risiken im alpinen Raum besser erkennen, realistisch einschätzen und verantwortungsvoll mit ihnen umgehen können. Fachleute aus Unfallforschung, Bergsport, Ausbildung, Rettungswesen und digitaler Wegeplanung brachten dabei unterschiedliche Perspektiven zusammen.
Die Veranstaltung wurde von Wolfgang Pohl, Vizepräsident des Bayerischen Kuratoriums für Alpine Sicherheit, eröffnet. Im Anschluss richtete Prof. Joachim Hermsdörfer, Department Head des Department Health and Sport Sciences der TUM School of Medicine and Health, ein Grußwort der Technischen Universität München an die Teilnehmenden. Durch den Vormittag führten Stefan Beulke und Wolfgang Pohl. Grundlage war ein vielseitiges Programm mit aktuellen Erkenntnissen aus der alpinen Praxis und Sicherheitsarbeit.
Sicherheit in verschiedenen Bergsportbereichen
Zum Auftakt stellte Niels Delénk die „Alpine Unfallstatistik Bayern“ vor. Die statistische Betrachtung alpiner Unfälle schafft eine wichtige Grundlage, um Unfallursachen zu erkennen, Entwicklungen einzuordnen und Präventionsmaßnahmen gezielt weiterzuentwickeln.
Anschließend standen unterschiedliche Bergsportbereiche im Mittelpunkt. Ragna Krückels vom Deutschen Alpenverein e.V. gab Empfehlungen für Bergtouren mit Kindern und Jugendlichen. Dabei wurde deutlich, wie wichtig eine realistische Einschätzung der Fähigkeiten, eine passende Tourenplanung und eine an das Alter sowie die Erfahrung angepasste Verantwortungsteilung sind.
Dr. Hermann Meyer vom Deutschen Interessenverband Mountainbike e.V. widmete sich dem Thema „Mountainbiken mit Kindern – Sicherheit und Fahrspaß, eine Herausforderung für die Eltern?“. Im Mittelpunkt standen die Fragen, wie Eltern Kinder sicher an das Mountainbiken heranführen können und wie sich Sicherheitsbewusstsein und Freude an der Bewegung miteinander verbinden lassen.
Ein weiterer Schwerpunkt war das Absturzrisiko auf Wanderwegen. Günter Schmudlach von Skitourenguru stellte einen Algorithmus zur Abschätzung dieses Risikos vor. Der Beitrag behandelte die Vorgeschichte und Entwicklung des Verfahrens ebenso wie seine Darstellung, Anwendungsmöglichkeiten und Grenzen. Gerade die kritische Auseinandersetzung mit digitalen Instrumenten zeigte, dass technische Lösungen eine fundierte Einschätzung vor Ort nicht ersetzen können, sondern als zusätzliche Orientierung verstanden werden müssen.
Peter Plattner, ÖKAS-Fachautor und Chefredakteur von analyse:berg, stellte anschließend DIGIWAY vor. Im Mittelpunkt standen Geodaten, Wegeklassifizierung und deren Bedeutung für die Sicherheit im alpinen Raum. Damit wurde die zunehmende Rolle digitaler Informationen bei Tourenplanung, Orientierung und Risikobewertung aufgegriffen.
Den Abschluss des Vormittags bildete ein moderiertes Podium mit Niels Delénk, Ragna Krückels, Dr. Hermann Meyer, Günter Schmudlach und Peter Plattner. Die zuvor behandelten Themen wurden gemeinsam eingeordnet und miteinander verknüpft. Im Mittelpunkt stand dabei nicht nur die Frage, welche Daten und technischen Hilfsmittel zur Verfügung stehen, sondern vor allem, wie Sicherheitswissen im Alltag angewendet werden kann und welche Entscheidungen dazu beitragen, Unfälle zu vermeiden.
Im Anschluss folgten ein gemeinsames Mittagessen und die Möglichkeit zur Besichtigung der Sportanlagen der Technischen Universität München.
Wenn Wintertouren zur Herausforderung werden
Der Nachmittag stand unter dem Leitthema „Wenn Wintertouren zur Herausforderung werden – neue Entwicklungen, neue Risiken und neue Verantwortung im Gebirge“. Michael Schott vom Verband Deutscher Berg- und Skiführer e.V., Michael Gebhardt vom Verband deutscher Polizeiberg- und Skiführer und Simon Kraus vom Verband deutscher Heeresbergführer führten in das Thema ein.
Im ersten Beitrag beschäftigte sich Christof Schellhammer vom Verband der Deutschen Bergsteigerschulen mit dem neuen Winterpublikum im alpinen Gebirge. Zwischen Social Media, Abenteuerlust und digitaler Tourenplanung entstehen neue Zugänge zum winterlichen Bergsport. Gleichzeitig können attraktive Bilder, vereinfachte Darstellungen und fehlende Erfahrung dazu führen, dass Gelände, Wetter, Lawinengefahr oder die eigene Leistungsfähigkeit unterschätzt werden. Christof Schellhammer verwies aber auch deutlich auf die Chancen und neuen Tätigkeitsfelder, die daraus entstehen.
Maximilian Thome vom Verband deutscher Polizeiberg- und Skiführer beleuchtete anschließend unter dem Titel „Wenn aus einer Tour ein Einsatz wird“, wie kritische Situationen tatsächlich entstehen. Anhand der Einsatzrealität wurde deutlich, dass Notlagen häufig nicht auf eine einzelne Ursache zurückzuführen sind. Vielmehr entwickeln sie sich aus einer Kombination von unzureichender Planung, falscher Selbsteinschätzung, ungünstigen Bedingungen und Entscheidungen, die im Verlauf einer Tour nicht rechtzeitig angepasst werden.
Nach einer Pause zeigte Jan Schumacher vom Verband deutscher Heeresbergführer in seinem Beitrag „Sicherheit beginnt vor dem ersten Schritt“, welche Bedeutung Planung, Führung und Entscheidung im winterlichen Gelände haben. Eine sorgfältige Vorbereitung, klare Zuständigkeiten, realistische Zielsetzungen und die Bereitschaft zum rechtzeitigen Umkehren bilden wesentliche Bausteine eines verantwortungsvollen Risikomanagements.
Die Beiträge bauten inhaltlich aufeinander auf: von der Beobachtung gesellschaftlicher und medialer Entwicklungen über konkrete Einsatzlagen bis hin zu Fragen der professionellen Planung und Entscheidungsfindung.
Gemeinsame Perspektiven für die Praxis
Zum Abschluss wurden die Themen in einem moderierten Podium gemeinsam verdichtet. An der Diskussion beteiligten sich Christof Schellhammer, Maximilian Thome, Jan Schumacher, Michael Schott Michael Gebhardt und Simon Kraus.
Die Gesprächsrunde machte deutlich, dass Sicherheit im winterlichen Gebirge nicht erst im Notfall beginnt. Sie entsteht bereits bei der Vorbereitung einer Tour, bei der Auswahl eines geeigneten Ziels, bei der Einschätzung der aktuellen Bedingungen und bei der Bereitschaft, Entscheidungen konsequent an die Realität anzupassen.
Die Sicherheitsgespräche verstanden sich dabei nicht als Vergleich unterschiedlicher Systeme oder Ausbildungswege. Im Mittelpunkt standen vielmehr der gemeinsame Erkenntnisgewinn und die Frage, welche Impulse sich für Prävention, Ausbildung, Führung, Kommunikation und Eigenverantwortung ableiten lassen.
Die Alpinen Sicherheitsgespräche 2026 boten einen wertvollen Rahmen für fachlichen Austausch und gemeinsame Perspektiven. Unser Dank gilt allen Referentinnen und Referenten, Podiumsgästen, Teilnehmenden sowie der Technischen Universität München für die erneute Gastfreundschaft.
Hier finden Sie das Programm der Alpinen Sicherheitsgespräche 2026.
In Kürze finden Sie die Präsentationen unserer Referenten und Referentinnen hier nachstehend.

